
Quelle: Bas Spanjers
Nasse Moore bewirtschaften: Technische Lösungen im Überblick
Das Erreichen eines möglichst geringen Kontaktflächendrucks ist das zentrale Ziel der Technikanpassung, um ein Befahren der wiedervernässten Moorstandorte überhaupt zu ermöglichen (weitere Informationen zum Kontaktflächendruck). Es gibt mehrere Möglichkeiten, den Kontaktflächendruck der eingesetzten Maschinen zu reduzieren. Zum einen durch die Verringerung des Gesamtgewichts, zum Beispiel durch den Einsatz leichterer Maschinen, leichterer Bauteile oder leichterer Anbaugeräte. Zum anderen durch die Vergrößerung der Aufstandsfläche der Maschine auf dem Boden. Für die Bewirtschaftung nasser Moore werden drei Technikkategorien – Kleintechnik, Spezialtechnik und angepasste Standardtechnik – unterschieden, die sich hinsichtlich ihrer Einsatzbereiche und Bauweisen nicht immer klar voneinander abgrenzen lassen. [1; 4; 5]
Kleintechnik
Unter Kleintechnik werden kleintechnische Lösungen, wie Kleintraktoren (<2 t Leergewicht), einachsige Zugmaschinen, sowie robotergestützte Systeme verstanden. Zur Kleintechnik zählende Maschinen können extrem wendig und leicht zu transportieren sein. Diese Maschinen eignen sich besonders für Standorte mit flurnahen Wasserständen und klein strukturierte Flächen. Einschränkungen bestehen jedoch bei der Flächenleistung und der Befahrbarkeit dichter Bestände.
Ausgestattet sind die Maschinen mit Raupenlaufwerken, Reifen oder Stachelwalzen. Bei einer entsprechenden großen Aufstandsfläche verursachen sie aufgrund des geringen Eigengewichts nur geringe Bodenbelastungen. Für Zugmaschinen stehen eine Reihe von Anbaugeräten zur Verfügung.
Die Investitionskosten sind im Vergleich zur Spezialtechnik moderat. Ein Potenzial besteht im zukünftigen Einsatzbereich autonomer, leichter (Schwarm-)Technik, z.B. Zugmaschinen für einzelne Verfahrensschritte (Pflegeschnitte auf Torfmoosflächen, Transport von Biomasse zum Flächenrand und weitere) [1].

Quelle: Wendelin Wichtmann

Quelle: Andreas Haberl

Quelle: Andreas Haberl
Angepasste Standardtechnik
Unter angepasster Standardtechnik wird in der Regel die konventionelle Standardtechnik des Grünlands verstanden, die für die Bedingungen im Moor optimiert, also angepasst wurde. Bei angepasster Technik unterscheidet man zwischen leichter Standardtechnik (<4 t) und schwerer (4–8 t) Standardtechnik. Angepasste Technik wird bei der Bewirtschaftung von Feucht- und Nasswiesen eingesetzt, ist jedoch für Anbau-Paludikulturen in der Regel ungeeignet. Bei Nasswiesen-Paludikulturen hängen die Einsatzmöglichkeiten stark von den Standortbedingungen im Jahresverlauf ab.

Quelle: Andreas Haberl

Quelle: Paul Mosebach

Quelle: Tobias Dahms
Durch Umbaumaßnahmen kann der Kontaktflächendruck erheblich verringert werden. Angepasst werden können sowohl Traktoren als auch Anbaugeräte. Die Anpassung der Standardtechnik erfolgt mit Doppel- oder Zwillingsbereifung, Breitreifen, Terrareifen, Bogiebändern oder Delta-Kettenlaufwerken. Zu beachten ist, dass z. B. die Achsen für die jeweilige Anpassung ausgelegt sein müssen.
Angepasste Standardtechnik (leicht, <4 t) – für den Einsatz auf Flächen mit Wasserständen von 0–20 cm unter Flur
Standardtraktoren mit geringem Gesamtgewicht und angepasster Bereifung (breit, Mehrfachbereifung, Niederdruck) ermöglichen höhere Flächenleistungen als Kleintechnik. Sie sind auf Flächen mit flurnahen Wasserständen (0-20 cm unter Flur) abhängig von den konkreten Bedingungen vor Ort einsetzbar, jedoch nur für tragfähige Grasnarben bzw. Vegetationsdecke geeignet. Durch das immer noch relativ hohe Gewicht der Maschinen und die Art der Bereifung ist das Risiko von Bodenverdichtungen und Durchbrüchen der Grasnarbe bzw. Vegetationsdecke erhöht. Der Kontaktflächendruck dieser Maschinenkategorie liegt in der Regel bei bis zu 300 g/cm² [1]. Torfmoosbewirtschaftung stellt einen Sonderfall dar [2].
Angepasste Standardtechnik (schwer, 4–8 t) – für den Einsatz auf Flächen mit Wasserständen 20–45 cm unter Flur
Schwere Standardmaschinen von 4 bis 8 t mit Allrad-, Hundegang- oder Delta-Laufwerkslenkung bieten eine hohe Flächenleistung und große Anpassungsfähigkeit. Gleichzeitig bergen sie ein erhöhtes Risiko für Verdichtungs- und Narbenschäden im Vergleich zur leichteren Klasse, insbesondere bei nassen Standorten. Ein hohes Einsatzpotential haben sie in trockeneren Jahren oder in Randbereichen. Der Kontaktflächendruck ist maschinenspezifisch, liegt jedoch in der Regel bei dieser Maschinenkategorie über 450 g/cm² [1]. Maschinen mit einem Kontaktflächendruck von mehr als 408 g/cm² werden im PaludiScout nicht berücksichtigt (siehe auch Über uns).

Quelle: Samuel Knoblauch
Kettenbasierte Spezialtechnik
Diese Spezialfahrzeuge mit breiten Raupenlaufwerken bieten die geringste Bodenbelastung und eignen sich selbst für Flächen mit Überstau oder geringer Tragfähigkeit. Sie ermöglichen eine sichere Befahrung unter schwierigsten Bedingungen und werden sowohl auf Nasswiesen als auch in Anbau-Paludikulturen, insbesondere bei Schilf und Rohrkolben, eingesetzt. Kettenfahrzeuge ermöglichen einen sehr geringen Kontaktflächendruck, können jedoch insbesondere bei engen Kurvenfahrten und wiederholten Überfahrten Schäden an der Grasnarbe, an der Vegetationsdecke und im Bodengefüge verursachen. Durch angepasste Ketten, beispielsweise breitere Ketten und abgerundete Stege, lässt sich dieses Risiko reduzieren.

Quelle: Tobias Dahms

Quelle: Andreas Haberl
Da Raupentechnik in der Regel nicht straßenzugelassen ist, muss der Transport meist per Tieflader organisiert werden. Um einen regulären Straßentransport zu ermöglichen, sollte die Maschinenbreite 3 m nicht überschreiten. Anderenfalls sind Sondergenehmigungen erforderlich oder die Ketten müssen für den Transport abgezogen werden. Raupenbasierte Spezialtechnik ist mit hohen Investitions- und Betriebskosten verbunden.

Quelle: Tobias Dahms

Quelle: Sabine Wichmann

Quelle: Andreas Haberl
Radbasierte Spezialtechnik
Diese Technik mit Niederdruck-Ballonreifen wird in der Rohr- bzw. Reetwerbung (Schilfernte) häufig eingesetzt. Aufgrund der leichten Bauweise und der großen Aufstandsfläche der Ballonreifen wird ein sehr geringer Kontaktflächendruck erzielt. Dadurch lassen sich nasse Moorstandorte grundsätzlich befahren. Bei höherem Wasserstand besteht jedoch die Gefahr, dass die Maschinen aufschwimmen. Dies kann zu eingeschränkter Manövrierfähigkeit führen und erhöht das Risiko von Bodenschäden, etwa durch Schlupf.
Häufig kommen bisher ältere Maschinen mit begrenzter Motorleistung oder speziell angepasste Eigenkonstruktionen zum Einsatz.

Quelle: Sabine Wichmann
Quellen und weitere Informationen
[1] Mosebach, P.; Birr, F.; Wenzel, F.; Luthardt, V.; Schleip, I. (2024): Biodiversitätsfördernde Maßnahmen und Bewirtschaftungstechnik für eine Standortgerechte Niedermoornutzung. Hg. v. Ministerium für Landwirtschaft Brandenburg. Link: https://mleuv.brandenburg.de/sixcms/media.php/9/Standortgerechte-Niedermoorbewirtschaftung.pdf
[2] Nordt, A.; Abel, S.; Hirschelmann, S.; Lechtape, C.; Neubert, J. (2022): Leitfaden für die Umsetzung von Paludikultur (Greifswald Moor Centrum-Schriftenreihe (Selbstverlag, ISSN 2627‐910X), 5). Link: https://www.greifswaldmoor.de/files/dokumente/GMC%20Schriften/2022-05_Nordt%20et%20al_Paludikultur%20Leitfaden.pdf
[3] Schröder, C.; Dahms, T.; Paulitz, J.; Wichtmann, W.; Wichmann, S. (2015): Towards large-scale paludiculture: addressing the challenges of biomass harvesting in wet and rewetted peatlands. In: MIRES AND PEAT 16 (2015), Artikel 13, 1-18.
[4] Wichmann, Sabine; Dettmann, Sebastian; Dahms, Tobias (2016): Landtechnik für nasse Moore. In: Wendelin Wichtmann, Christian Schröder und Hans Joosten (Hg.): Paludikultur – Bewirtschaftung nasser Moore. Klimaschutz – Biodiversität – regionale Wertschöpfung. Stuttgart: Schweizerbart, S. 63–70.
[5] Wiedow, Denny; Burgstaler, Jörg; Schröder, Christian (2016): Befahrbarkeit nasser und wiedervernässter Niedermoore. In: Wendelin Wichtmann, Christian Schröder und Hans Joosten (Hg.): Paludikultur – Bewirtschaftung nasser Moore. Klimaschutz – Biodiversität – regionale Wertschöpfung. Stuttgart: Schweizerbart, S. 59–63.

