
Quelle: Paul Mosebach
Paludikultur – Innovative Landnutzung für nasse Moorböden
Was ist Paludikultur?
Paludikultur ist die produktive und torferhaltende land- und forstwirtschaftliche Nutzung nasser und wiedervernässter Moorstandorte [1]. Unterschieden werden Nasswiesen- und Nassweiden-Paludikultur sowie Anbau-Paludikulturen wie Rohrkolben, Schilf und Torfmoose. Nasswiesen entstehen in der Regel durch Sukzession, Kulturen wie Rohrglanzgras oder Seggen können aber auch gezielt etabliert werden. Genutzt werden kann die oberirdische Biomasse einer Vielzahl an Pflanzenarten, die natürlicherweise in nassen Mooren wachsen.
Der Begriff Paludikultur leitet sich vom lateinischen Wort „palus“ für Sumpf oder Morast ab.
Die Hauptziele der Paludikultur sind Torferhalt und die Schaffung neuer Wertschöpfung durch die nachhaltige Nutzung wiedervernässter Moorflächen. Durch die Wiedervernässung von vorher entwässerten Moorflächen werden die sehr hohen Treibhausgas-Emissionen reduziert und so das Klima und damit unsere Lebensgrundlagen geschützt. Außerdem werden Wasser und Nährstoffe zurückgehalten, sowie standorttypische Artenvielfalt gefördert. Paludikultur ist somit ein Konzept, das Ökologie und Ökonomie in Einklang bringen und eine nachhaltige Nutzung von nassen und wiedervernässten Moorflächen ermöglichen kann.

Quelle: Stephan Busse

Quelle: SabineWichmann
Entwässerte Moorböden: Moorschwund, Bodensackung und sinkende Produktivität
Etwa 7 % der landwirtschaftlich genutzten Fläche in Deutschland sind Moorböden. Viele dieser Standorte werden seit Jahrzehnten, teils Jahrhunderten genutzt. Charakteristisch für Moorstandorte ist eine mindestens 30 cm mächtige Torfschicht. Torf akkumuliert unter wassergesättigten Bedingungen, wenn die Biomasseproduktion größer ist als die Zersetzung von organischen Pflanzenresten. Moorböden und weitere kohlenstoffreiche Böden werden aufgrund der unzersetzten Pflanzenreste als organische Böden bezeichnet.
Die Entwässerung von Mooren zur landwirtschaftlichen Nutzung führt zu grundlegenden physikalischen, chemischen und biologischen Veränderungen im Torfkörper. Durch fehlendes Wasser entfällt der Auftrieb, wodurch die Torfe komprimieren und das Moor sackt. Zudem gelangt Sauerstoff in den Boden, der zu mikrobieller Zersetzung des Torfes unter aeroben Bedingungen und zu CO2-Emissionen sowie zu Torfschwund führt. In der Folge kommt es zu einem Höhenverlust von durchschnittlich 1 bis 2 cm pro Jahr. Die Folgen sind eine fortschreitende Bodendegradierung und eine zunehmend eingeschränkte landwirtschaftliche Nutzbarkeit der Flächen. Die Flächen vermulmen (der Torf verliert seine Struktur), werden an der Oberfläche wasserundurchlässig und der Torfkörper kann nicht mehr aufquellen. Es entstehen Stauschichten aus trockenem Torf. Dies führt vermehrt zu auf der Oberfläche stehendem Stauwasser, welches eine weitere Bewirtschaftung mit konventioneller Landwirtschaft erschwert.
Das Ergebnis: Die landwirtschaftliche Produktivität in entwässerten Mooren sinkt langfristig, während die Bewirtschaftung immer schwieriger wird. Durch Wasserstandsanhebungen und die Etablierung einer nassen Bewirtschaftung (Paludikultur) kann der Moorschwund gestoppt und gleichzeitig eine nachhaltige Wertschöpfung ermöglicht werden.
Standortangepasste Pflanzenwahl für die nasse Moorbewirtschaftung
Für eine dauerhaft erfolgreiche Bewirtschaftung der wiedervernässten Moore ist die Anpassung an die spontan wachsende Vegetation bzw. die Wahl passender Pflanzenarten für den Anbau entscheidend. Moore unterscheiden sich durch ihre Standortbedingungen, wie Nährstoffverfügbarkeiten oder hydrologischen Bedingungen. Grob unterscheidet man Hochmoore und Niedermoore.
Für den Anbau in nassen Mooren eignen sich nur Pflanzen, die an hohe Wasserstände und den jeweiligen Standort angepasst sind.
In Europa sind die möglichen Kulturen für wiedervernässte Niedermoore:
- Nasswiesen (durch Sukzession)
- Anbau-Paludikultur Seggen (Carex spp.)
- Anbau-Paludikultur Rohrglanzgras (Phalaris arundinacea)
- Anbau-Paludikultur Schilf (Phragmites australis)
- Anbau-Paludikultur Rohrkolben (Typha latifolia, T. angustifolia)
Für Hochmoore eignen sich insbesondere Torfmoose (Sphagnum spp.) und Sonnentau (Drosera rotundifolia).

Quelle: Tobias Dahms

Quelle: Paul Mosebach
Weitere Informationen
Quellen und weitere Informationen
[1] Wichtmann, Wendelin; Schröder, Christian; Joosten, Hans (2016): Box 1.1. What is paludiculture? In: Wendelin Wichtmann, Christian Schröder and Hans Joosten (eds.): Paludiculture – Management of wet peatlands. Climate Protection – Biodiversity – Regional Value Creation. Stuttgart: Schweizerbart, p. 1.
[2] Mosebach, P.; Birr, F.; Wenzel, F.; Luthardt, V.; Schleip, I. (2024): Biodiversitätsfördernde Maßnahmen und Bewirtschaftungstechnik für eine Standortgerechte Niedermoornutzung. Hg. v. Ministerium für Landwirtschaft Brandenburg. Link: https://mleuv.brandenburg.de/sixcms/media.php/9/Standortgerechte-Niedermoorbewirtschaftung.pdf
[3] Nordt, A.; Abel, S.; Hirschelmann, S.; Lechtape, C.; Neubert, J. (2022): Leitfaden für die Umsetzung von Paludikultur (Greifswald Moor Centrum-Schriftenreihe (Selbstverlag, ISSN 2627‐910X), 5). Link zum Dokument: https://www.greifswaldmoor.de/files/dokumente/GMC%20Schriften/2022-05_Nordt%20et%20al_Paludikultur%20Leitfaden.pdf
[4] Birr, F.; Abel, S.; Kaiser, M.; Närmann, F.; Oppermann, R.; Pfister, S.; Zeitz, J. (2021): Zukunftsfähige Land- und Forstwirtschaft auf Niedermooren. Steckbriefe für klimaschonende, biodiversitätsfördernde Bewirtschaftungsverfahren. Auszug aus den BfN-Skripten 616, bearb. Fassung. Hg. v. Hochschule für nachhaltige Entwicklung Eberswalde und Greifswald Moor Centrum. Hochschule für nachhaltige Entwicklung Eberswalde; Greifswald Moor Centrum. Eberswalde, Greifswald. Link: https://www.moorwissen.de/files/doc/paludikultur/imdetail/steckbriefe_pflanzenarten/Steckbriefsammlung.pdf
[5] Oehmke, Claudia; Abel, Susanne (2016): Ausgewählte Paludikulturen. In: Wendelin Wichtmann, Christian Schröder und Hans Joosten (Hg.): Paludikultur – Bewirtschaftung nasser Moore. Klimaschutz – Biodiversität – regionale Wertschöpfung. Stuttgart: Schweizerbart, S. 22–38.
[6] Zeitz, Jutta (2016): Moordegradierungsprozesse bei Entwässerung. In: Wendelin Wichtmann, Christian Schröder und Hans Joosten (Hg.): Paludikultur – Bewirtschaftung nasser Moore. Klimaschutz – Biodiversität – regionale Wertschöpfung. Stuttgart: Schweizerbart, S. 7–9.
[7] Zeitz, Jutta (2016): Auswirkungen der Entwässerung auf die Produktivität. In: Wendelin Wichtmann, Christian Schröder und Hans Joosten (Hg.): Paludikultur – Bewirtschaftung nasser Moore. Klimaschutz – Biodiversität – regionale Wertschöpfung. Stuttgart: Schweizerbart, S. 9–13.

