
Quelle: Tobias Dahms
Welche Technik passt? – Entscheidungshilfe für nasse Moorstandorte
Die Umstellung auf eine nasse Bewirtschaftung ist eine große Herausforderung. Um Schäden des Bodens und der Grasnarbe bzw. Vegetationsdecke zu vermeiden, ist der Einsatz von geeigneter Technik, also Maschinen zur Bewirtschaftung nasser Moore von entscheidender Bedeutung. Welche Technik geeignet ist, hängt von verschiedenen Faktoren ab, unter anderem von der Höhe des Wasserstandes, den Bodeneigenschaften, der Flächengröße, der Art der Bewirtschaftung und Kultur, der gewünschten Flächenleistung, dem Budget sowie weiteren standortspezifischen Eigenschaften. Die „Technikmatrix für nasse Bewirtschaftung“ hilft bei einer ersten groben Orientierung.
Tragfähigkeit von Moorböden: Wie Maschinen den Boden belasten
Beim Einsatz von Maschinen wirkt das Gewicht der Technik direkt auf den Boden. Bewachsene organische Standorte sind hinsichtlich ihrer Fahreigenschaften den vertikal geschichteten Böden zuzuordnen, wobei sich bei Niedermooren an der Oberfläche eine feste, durchwurzelte Schicht und darunter der weniger tragfähige Torf befindet. Bei Anbaupaludikulturen wie Torfmoose oder Rohrkolben fehlt eine für Grünland typische Grasnarbe. Das Gewicht der Maschine und die Größe ihrer Kontaktfläche bestimmen, wie stark die vertikalen Kräfte vom Fahrzeug auf den Boden übertragen werden. Die mechanische Belastung beim Befahren ist auf die standortspezifische Tragfähigkeit abzustimmen.
Die Tragfähigkeit beschreibt die Fähigkeit des Bodens, die durch Maschinen verursachte Belastung aufzunehmen. Die Tragfähigkeit wird im Wesentlichen durch die Artenzusammensetzung der Vegetation und den Zustand der Narbe also der Bewuchsdichte geprägt. Der Wasserstand, also die Bodenfeuchte, und der Bodenzustand bzw. der Grad der Degradierung sind weitere Einflussfaktoren. Die mechanische Belastung darf die Tragfähigkeit nicht überschreiten, sonst entstehen Bodenschäden wie Narben- bzw. Vegetationsschichtdurchbrüche oder Bodenverdichtungen wodurch sich z. B. die Vegetation ändert. Dies hat zur Folge, dass die Befahrbarkeit an den (häufig) überfahrenen Stellen abnehmen kann und die Maschinen einsinken.
Damit ein Befahren der nassen Moorstandorte dauerhaft und ohne Schäden gelingt, müssen sowohl die Eigenschaften des Bodens, der Grasnarbe als auch der Kontaktflächendruck der Maschine in Zusammenhang betrachtet werden. Wichtige Kennwerte zur Beurteilung der Befahrbarkeit eines Moorstandortes sind die Scherfestigkeit und der Eindringwiderstand des Bodens.

Quelle: Paul Mosebach
Scherfestigkeit und Eindringwiderstand
Die Parameter Scherfestigkeit und Eindringwiderstand können genutzt werden, um die Befahrbarkeit einzuschätzen und die Auswirkungen der Befahrung auf den Moorboden abzuschätzen. Zu hoher Kontaktflächendruck führt zu Verdichtungen, tiefen Fahrspuren und zum Einsinken der Maschine, während übermäßige Scherkräfte die Vegetationsnarbe seitlich abreißen und damit die Tragfähigkeit des Moorbodens nachhaltig schwächen.
Gut zu wissen
Scherkräfte entstehen, wenn durch die Aufstandsfläche der Fahrzeuge Druck auf den Boden bzw. die Grasnarbe ausgeübt wird, insbesondere bei Kurvenfahrten. Dabei wirken Kräfte parallel zur Bodenoberfläche, die die Struktur der Grasnarbe und des Oberbodens schädigen können. Die Scherfestigkeit wird mit dem Scherflügel gemessen und gibt Auskunft über die Belastbarkeit der Grasnarbe.
Der Eindringwiderstand beschreibt den Widerstand, den der Boden einer aufliegenden Last entgegensetzt. Er ist abhängig von verschiedenen bodenphysikalischen Eigenschaften wie Lagerungsdichte, Wassergehalt, Porengrößenverteilung und der Struktur der organischen Substanz. Der Eindringwiderstand wird mit Penetrometern gemessen und sagt etwas über die Festigkeit des Untergrunds aus.

Quelle: Paul Mosebach

Quelle: Paul Mosebach
Kontaktflächendruck
Der Kontaktflächendruck entsteht an der Kontaktfläche der Reifen bzw. der Raupenketten und dem Boden. Der Kontaktflächendruck kann für Trägermaschinen und Anhänger inklusive Lasten berechnet werden. Die Radlast je Aufstandfläche ergibt den Kontaktflächendruck (g/cm²).
Trotz der vielfältigen Faktoren, die die Eignung einer Maschine beschreiben, wird der Kontaktflächendruck (Bodendruck) als einer der wichtigsten Parameter betrachtet und in vielen Förderprogrammen als Fördergrenze herangezogen.
Der Kontaktflächendruck ist auch ein zentrales Kriterium für den PaludiScout. Ziel des PaludiScout ist es Maschinen zu listen, die für eine nasse Moorbewirtschaftung geeignet sein können. Aus diesem Grund liegt das Aufnahmekriterium für Technik im PaludiScout bei einem maximalen Kontaktflächendruck der Maschine inklusive Ladung von 408 g/cm² (siehe Aufnahmekriterien).

Quelle: Sabine Wichmann
Kontaktflächendruck selbst berechnen
Im Internet finden sich verschiedene Möglichkeiten den Kontaktflächendruck zu berechnen. Zum Beispiel bietet das Tool Terranimo umfangreiche Möglichkeiten. Hinsichtlich der Einschätzung der Belastbarkeit des Bodens sind die Rechner jedoch nicht für Moorstandorte optimiert.
Individuelle Standortbedingungen und Fahrverhalten entscheidend
Eine Maschine kann auch bei niedrigem Kontaktflächendruck Schäden verursachen, wenn die Scherkräfte zu hoch sind z. B. durch falschen Reifendruck, zu viel Schlupf, zu schnelle Kurvenfahrten oder zu schwere Anbaugeräte. Auch mit der besten Technik können Schäden entstehen. Welche Technik geeignet ist, hängt immer von den individuellen Flächenbedingungen und der Fahrweise bzw. den Fähigkeiten der Fahrerenden ab.
Einfach gemerkt
| Kraft | Richtung | Widerstand | Einflussfaktoren | Schäden |
| Druck der Maschine | Nach unten | Eindringwiderstand | Gewicht & Kontaktfläche der Maschine vs. Tragfähigkeit des Bodens | Verdichtung, Fahrspuren & Einsinken |
| Scherkraft | Seitlich | Scherfestigkeit des Bodens | Zugkräfte/Schlupf vs. Qualität der Vegetationsnarbe | Abscheren der Vegetationsnarbe |
Quellen und weitere Informationen
[1] Wichmann, Sabine; Dettmann, Sebastian; Dahms, Tobias (2016): Landtechnik für nasse Moore. In: Wendelin Wichtmann, Christian Schröder und Hans Joosten (Hg.): Paludikultur – Bewirtschaftung nasser Moore. Klimaschutz – Biodiversität – regionale Wertschöpfung. Stuttgart: Schweizerbart, S. 63–70.
[2] Wiedow, Denny; Burgstaler, Jörg; Schröder, Christian (2016): Befahrbarkeit nasser und wiedervernässter Niedermoore. In: Wendelin Wichtmann, Christian Schröder und Hans Joosten (Hg.): Paludikultur – Bewirtschaftung nasser Moore. Klimaschutz – Biodiversität – regionale Wertschöpfung. Stuttgart: Schweizerbart, S. 59–63.
[3] Schröder, C.; Dahms, T.; Paulitz, J.; Wichtmann, W.; Wichmann, S. (2015): Towards large-scale paludiculture: addressing the challenges of biomass harvesting in wet and rewetted peatlands. In: MIRES AND PEAT 16 (2015), Artikel 13, 1-18.
[5] Mosebach, P.; Birr, F.; Wenzel, F.; Luthardt, V.; Schleip, I. (2024): Biodiversitätsfördernde Maßnahmen und Bewirtschaftungstechnik für eine Standortgerechte Niedermoornutzung. Hg. v. Ministerium für Landwirtschaft Brandenburg. Link: https://mleuv.brandenburg.de/sixcms/media.php/9/Standortgerechte-Niedermoorbewirtschaftung.pdf
[4] Prochnow (1999 ): Angepasstes Befahren von Niedermoorgrünland. In: Landschaftspflege in der Nuthe-Nieplitz-Niederung, Schriftenreihe des Landschafts-Förderverein Nuthe-Nieplitz-Niederung e.V. (Selbstverlag, ISSN 1439-0078), 3.
[6] Brandhuber, R.; Demmel, M.; Koch, H.-J.; Brunotte, J. (2008): Bodenschonender Einsatz von Landmaschinen DLG-Merkblatt 344, 4. Auflage. Link: https://www.dlg.org/fileadmin/downloads/Merkblaetter/dlg-merkblatt_344.pdf
[7] Nordt, A.; Abel, S.; Hirschelmann, S.; Lechtape, C.; Neubert, J. (2022): Leitfaden für die Umsetzung von Paludikultur, Greifswald Moor Centrum-Schriftenreihe (Selbstverlag, ISSN 2627‐910X), 5. Link: https://www.greifswaldmoor.de/files/dokumente/GMC%20Schriften/2022-05_Nordt%20et%20al_Paludikultur%20Leitfaden.pdf
[8] Tölle R.; Prochnow, A.; Kraschinski, S. (2000): Messverfahren zur Bewertung der Befahrbarkeit von Niedermoorgrünland. Agrartechnische Forschung (3), 6; S. 54-61.

